Cicindela– Arten sind tagaktive Jäger, die sowohl durch Umherlaufen ihre Beute aufstöbern als auch durch Beobachtung der Umgebung in der Lage sind, potenzielle Beutetiere zu erkennen und zu fangen. Am häufigsten werden Ameisen erbeutet, oft mehrere zusammengetragen und anschließend an einem geschützten Ort verzehrt.
Cicindela gallica lebt auf alpinen Matten im Bereich bis über 2.000 m, heute nur noch im Alpenraum (Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien). Alte Meldungen aus Deutschland in den heutigen Grenzen wurden bislang nie bestätigt, sie gelten sogar als zweifelhaft. Die Art ähnelt der Cicindela sylvicola in Größe und Zeichnung ist aber einfarbig leuchtend grün, sehr selten mit bläulichem oder kupfrigem Anflug. Die Apikalmakeln sind getrennt, in Flecken aufgelöst und höchsten am Rande der Flügeldecken sehr dünn verbunden.
In Deutschland leben 9 Sandlaufkäferarten in 10 Taxa. Es sind die Arten:
Cicindela (s.str.) sylvatica sylvatica Linnaeus, 1758
Cicindela (s.str.) sylvicola Dejean, 1822
Cicindela (s.str.) gallica Brullé, 1834
Cicindela (s.str.) hybrida hybrida Linnaeus, 1758
Cicindela (s.str.) transversalis transversalis Dejean, 1822
– Cicindela (s.str.) transversalis pseudoriparia Mandl, 1935
Cicindela (s.str.) maritima maritima Dejean, 1822
Cicindela (s.str.) campestris campestris Linnaeus, 1758
Cylindera (s.str.) germanica germanica (Linnaeus, 1758) und
Cylindera (Eugrapha) arenaria viennensis (Schrank, 1775)
Cicindela (s.str.) sylvatica sylvatica Linnaeus, 1758

Die Art hat in ganz Deutschland eine rückläufige Tendenz. Die meisten mitteleuropäischen Standorte mit größeren Populationen befinden sich auf Truppenübungsplätzen. Wenn dort aber nicht mehr „geübt“ wird, nimmt die Sukzession ihren Lauf. In noch vorhandenen Biotopen mit Vorkommen entsprechender Populationen sind Pflegemaßnahmen erforderlich. Hierbei ist zu beachten, dass wir in einer Kulturlandschaft leben, in der für einige Arten ökologische Nischen entstanden sind, die von sich aus so wahrscheinlich nicht entstanden wären. Naturschutz heißt demnach nicht immer alles sich selbst überlassen! Eine großflächige Verbuschung mit Birke, Pappel, Kiefer und anderen Gehölzen in den Vorkommensgebieten bedeutet langfristig einen weiteren Rückgang der Art.


Cicindela (s.str.) sylvicola (Dejean, 1822)
C. sylvicola lebt in völlig anderen Habitaten – Abbruchkanten, Hangrutschungen etc. von planaren bis zum Teil in subalpine Lagen.

Der Bergsandlaufkäfer besiedelt fast ausschließlich sandige oder schluffige Substrate in Hanglagen, wie sie an Rutschungen, Abbruchkanten, Abrieselkegel (Steinbrüchen), Aufschüttungen und Hohlwegen anzutreffen sind. Ihren Brutröhrenbau hat die Art speziell an diese Habitate angepasst. Zudem werden solche Biotope bevorzugt in kollinen bis alpinen Regionen besiedelt. In Sachsen gibt es Ausnahmen, wo die Art gelegentlich auch im Tiefland in Steinbrüchen oder Sandgruben vorkommt. Sie ähnelt der Cicindela hybrida, ist aber etwas größer und hat zusätzlich zu den distalen Endborsten des ersten Fühlergliedes weitere auf das Fühlerglied verstreute 3-7 Borsten.
Das Areal der europäisch verbreiteten Art erstreckt sich von Zentralfrankreich über den Alpenraum nach Mitteleuropa weiter über den Balkan bis in die Ukraine, innerhalb Deutschlands erreicht sie das Weserbergland im Norden (Trautner 2017).
Cicindela (s.str.) transversalis (Dejean, 1822)
Cicindela transversalis steigt ähnlich wie C. sylvicola weit über 1.000 m hoch ins Gebirge.
Die westpaläarktisch verbreitete Art kommt in mehreren Unterarten von Westeuropa Pyrenäen, den Alpenraum bis zum Balkan in Südosteuropa vor und besiedelt bevorzugt sandig schottergeprägte Flussauen vom Hochgebirge bis in Tiefland. Sie jagt tagsüber bevorzugt Ameisen wie die anderen Arten der Gattung auch. Sicher von Cicindela hybrida zu unterscheiden ist sie durch die lang ausgezogene Spitze des Aedeagus, der bei C. hybrida nur kurz und kielförmig angelegt ist (vgl. Gebert 1991).

Im dealpinen Bereich Norditaliens steigt die Art tief bis auf unter 100 Meter Meereshöhe herunter.
Cylindera (Cylindera) germanica (Linnaeus, 1758)
Die seltenste Art in Deutschland ist wohl C. germanica, die überall stark zurückgegangen ist.
Die transpaläarktisch verbreitete Art kommt in mehreren Unterarten von Westeuropa über ganz Südeuropa, das Kaukasusgebiet bis nach Ostsibirien vor. In Deutschland ist sie mit Ausnahme der norddeutschen Tiefebene noch verbreitet anzutreffen, obgleich die Vorkommen in den letzten 70 Jahren starken Rückgängen unterliegen.
Vorzugsweise werden wechselfeuchte Standorte mit bindigen Böden und Kalktrockenrasen mit lückiger Vegetation besiedelt. Offenbar sind Flussauen als Primärhabitat zu bezeichnen, da Nachweise sowohl der heimischen Funde als auch aus anderen Ländern besonders häufig dort geführt wurden. Besiedelt werden bevorzugt spärlich bewachsene Flächen mit bindigem Bodensubstrat und einem Deckungsgrad der Vegetation um 20% (optimal) und geringer Aufwuchshöhe.
Die hohe Gefährdung von C. germanica in Deutschland ist auf die Intensivierung der Landwirtschaft, Nutzungsänderung in der Kulturlandschaft und zunehmende Sukzession zurückzuführen.
Cylindera (Eugrapha) arenaria viennensis (Schrank, 1781)
C. arenaria, die bei uns nur in der Rasse viennensis lebt ist aus Westdeutschland nur noch von sehr wenigen aktuellen Fundpunkten bekannt. In Ostdeutschland, und dort besonders in Sachsen, Sachsen-Anhalt und in Brandenburg siedelt sie in Sekundärhabitaten, wie den Folgelandschaften der Braunkohletagebaue oder Kiesgruben. Ihr Bestand ist am stärksten durch Sukzession gefährdet, da dynamische Flussauen, der eigentliche Primärlebensraum der Art, nahezu verschwunden sind. Durch Regulierungen und Querverbauungen wird die Umlagerung von Sanden und Kiesen in weitgehend verhindert. Die westpaläarktisch verbreitete Art Cylindera arenaria kommt in mehreren geografischen Rassen vom Kaukasus über Kleinasien Mitteleuropa, Osteuropa, auf dem Balkan, in Italien bis ins südliche Frankreich vor. Primärhabitate sind ausgedehnte Sandbänke mittlerer bis großer Flüsse und Salzfluren an Salzstellen (Niederösterreich, Ungarn). Vorkommen auch im nordöstlichen Europa (Polen – Baltische Staaten). Dort lebt sie auf sandigen und schlammigen Böden. Hauptvorkommen in Deutschland in Sekundärhabitaten Ostdeutschlands (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg – dort ist die Art besonders auf ehemaligen Braunkohleabbauflächen, Kiesgruben und Truppenübungsplätzen zu finden. Sonst ist sie in Deutschland nahezu verschwunden. In Mitteleuropa wird aktuell nur die Subspezies viennensis Schrank, 1781 nachgewiesen.



Cicindela (s.str.) maritima maritima Dejean, 1822
Die Art hat eine weite Verbreitung in der Paläarktis. Ihre Vorkommen reichen nach Osten bis in die Mongolei. Mehrere Unterarten aus verschiedenen Regionen sind beschrieben worden. In Mittel- Nord- und Westeuropa lebt ausschließlich die Nominatform. In Südeuropa gibt es die Art nicht. Die nächsten Populationen, die auf die Subspezies krigisica Mandl zu beziehen sind, leben in der Ukraine und Südrussland. Eine weitere Unterart, impercepta, lebt in der Mongolei.
C. maritima kommt bei uns nur im Bereich der Küstenregion vor und ist heute hochgradig gefährdet, vom Aussterben bedroht. Die Art lebt in Deutschland sowie in den sich anschließenden Beneluxländern und Frankreich im Bereich der Küstendünen und den küstennahen und zumeist salzbeeinflussten Bereichen der Flussmündungen, in Deutschland am Unterlauf der Elbe.
In Schweden, wo die Art auch auf Sandbänken großer Flüsse lebt, ist sie ebenfalls stark gefährdet. Durch Querverbauungen und Regulierungsmaßnahmen (z.B. Wasserkraftanlagen) wird die natürliche Dynamik in der Sedimentierung gestört. Das hat zur Folge, dass weniger geeignete Lebensräume entstehen bzw. erhalten bleiben, da ungestörte Habitate schnell der Sukzession unterliegen.
Die Populationen innerhalb Deutschlands sind in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Der Grund für die starken Rückgänge der Art ist hauptsächlich im Nutzungsdruck auf die Lebensräume zurückzuführen. Durch den enorm gestiegenen Freizeitverkehr, nicht zuletzt infolge der Erschließung immer weiterer Urlaubsgebiete, kam es zu großen Lebensraumverlusten durch Trittschäden in den Larvalhabitaten. Die Larven können ihre biologische Entwicklung in immer weniger ungestörten Bereichen zum Abschluss bringen. Ihre Wohnröhren im durch eine Patina gefestigten Sand werden einfach zu oft zertreten. Schwerpunktmäßig liegen die höchsten Populationsdichten im Bereich regelmäßig durchfeuchteter flacher Strandabschnitte (z.B. Neuer Bessin Hiddensee).
C. maritima ist nach äußerlichen Merkmalen von der sehr ähnlichen C. hybrida durch den weit nach hinten absteigenden Ast der Mittelbinde und durch das Vorhandensein zweier dichter Haarbüschel in Höhe des Augenhinterrandes zu unterscheiden. Hinzu kommen meist dunklere Grundfärbung sowie die von außen nicht erkennbaren deutlichen Unterschiede im Genitalbau.
Die Zeitraumkarte entstand unter Mitwirkung verschiedener Entomologen. Die Daten aus dem Niederelbe-Gebiet, den Friesischen Inseln und Schleswig-Holstein wurden teils freundlicherweise vom Verein für naturwissenschaftliche Heimatforschung zu Hamburg e.V. bereitgestellt.

Cicindela (s.str.) campestris campestris Linnaeus, 1758
Bei Cicindela campestris handelt es sich um einen über die gesamte Paläarktis verbreiteten Artenkomplex, der gegenwärtig Gegenstand umfassender taxonomischer Untersuchungen ist und der noch immer bearbeitet wird. Ein erster Teil wurde bereits publiziert (Gebert et al. 2021). Die zahllosen Namen, die für die sehr variabel gefärbten und gezeichneten Arten dieses Komplexes vergeben wurden zzeigen das deutlich.
Sie ist in Europa die häufigste und am weitesten verbreitete Art und siedelt vorzugsweise in schütter bewachsenen Habitaten. Typische Lebensräume sind lichte Wälder, Magerrasen, Heiden, Wegsäume, Ackerränder, offene Torfflächen von Mooren etc. bis in urbane Bereiche größerer Städte, mit kleinteiligen zumeist sandigen Rohbodenstrukturen.

Cicindela (s.str.) hybrida hybrida Linnaeus, 1758
C. hybrida ist nach C. campestris am weitesten verbreitet. Sie besiedelt sandige bis feinkörnige Rohbodenstrukturen auch kleinerer Größe von der Küste bis in die collinen Lagen der Gebirge. Die früher als Unterart der Cicindela hybrida betrachtete Cicindela transversalis gilt heute als eigene Art, die sich insbesondere im Genitalbau unterscheidet, äußerlich jedoch der C. hybrida ähnlich werden kann (Gebert 1991, Matalin in: Löbl & Löbl 2017). Die Nominatform von C. hybrida lebt in einem Gebiet von der Küste bis in die Mittelgebirge – vermutlich an einer Linie Rheinpfalz-Mittelfranken in südlicher Richtung bis ungefähr München und Breisgau. Daran in südlicher Richtung anschließend kommt im Alpenvorland die an Flussufern siedelnde Cicindela transversalis vor. Es wird angenommen, dass C. hybrida und C. transversalis sympatrisch, also im selben Habitat angetroffen werden können. Um verbindlich die Phylogenie zu klären, sind umfassende Untersuchungen durch mitochondriale DNA-Analysen in europäischem Außmaß notwendig.








